Der jüngste Tag

Ödön von Horváth (1937)

In einem kleinen Ort an einer großen Eisenbahnlinie ereignet sich ein Zugunglück, bei dem mehrere Menschen zu Tode kommen. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden: der Stationsvorstand Hudetz soll versäumt haben, dem Eilzug ein Signal zu geben, selbst seine Gattin verwendet sich gegen ihn. Allein die Wirtstochter Anna will gesehen haben, dass er seine Pflicht getan hat – doch Hudetz und Anna teilen ein Geheimnis, und jene Nacht am Bahndamm entfacht für sie ein Fegefeuer aus Lüge und Schuld.

Horváths volkstümliches Trauerspiel ist eine Anklageschrift an seine Zeitgenossen, ein schonungslos treffender Steckbrief des Kleinbürgermilieus. Die Themen Reue und Verantwortung aber sind zeitlos und vielschichtig. Jeder trägt Schuld; Horváth erweist sich in seinem selten gespielten Exilwerk als scharfsinniger Kritiker, aber auch als mal mitreißender, mal kühler Chronist allzu menschlicher Doppelmoral.

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