Philinte

"Man tut zuweilen gut daran, wenn man für sich behält, was man im Stillen denkt"

Dramaturgisch etwas unselbständig kommt die Figur des Philinte daher. Gebaren und Handlungen des treuen, womöglich einzigen Freundes Alcestes werden nur in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des erklärten Menschenfeindes bedeutsam. Ihr Verhältnis ist in vielerlei Hinsicht antipodischer Natur: der eine wohlwollend, bescheiden, ausgeglichen, angepasst; der andere feindselig, vereinnahmend, egozentrisch, isoliert. Philinte also: ein Menschenfreund mit Tendenz zur Verleugnung des bedürftigen Selbst, der sympathische Extremist. Nur gelegentlich erweist er sich auch als gewandter Redner, (ungehörter) Ratgeber, am Ende gar als aufrichtig Liebender. Er relativiert so stetig die von Alceste angeprangerte dekadente Kultur der Heuchelei - bis Philinte und die Geliebte die Bühne für sich allein erobern und der Vorhang fällt. Ein Sieg der Vernunft?

gespielt von Pascal Pöschko